Geschichte

Bis in die frühen siebziger Jahre existierten in den einzelnen Gemeinden nur in den Ortskernen Kanalnetze deren Ableitung teilweise nur mit mechanischer Klärung, oder direkt  in die jeweiligen Vorfluter erfolgte. In der Marktgemeinde Kuchl existierte im Ortskern ein Kanalnetz aus den frühen 60iger Jahren, die Ableitung erfolgte in der Nähe des Bahnhofes, nach Vorschaltung eines damals so genannten Emscherbrunnens, in die Salzach. Dieser Emscherbrunnen sollte einer mechanischen Vorreinigung dienen, hat jedoch nie richtig funktioniert. Nach Angabe des damaligen Betriebspersonals des Bauhofes, hatte dieser Emscherbrunnen lediglich eine Alibifunktion.

In der Marktgemeinde Golling existierte im Ortskern ein alter Mischkanal aus dem Jahre 1910. Dieser leitete die Abwässer direkt in die Salzach.

Die Gemeinde Scheffau verfügte über keinerlei Kanalanlagen. Alle Häuser mussten ihre Abwässer in den Untergrund versickern.

In der Gemeinde St. Koloman existierte ein altes Kanalnetz im Ortskern. Die Abwässer wurden ebenfalls über einen Emscherbrunnen geführt und dann in den Kolomanbach abgeleitet. Der Emscherbrunnen in St. Koloman hatte in etwa dieselbe Funktion wie dieser in Kuchl – er war nicht in Betrieb.

Die Abwassersituation war im ganzen Bundesland Salzburg in etwa die gleiche – es gab keine leistungsfähigen Reinigungsanlagen. Der Zustand der Salzach, sowie deren Nebenflüsse, waren entsprechend schlecht. Die Salzach war damals eine braune Brühe. Ab Hallein wurde die Gewässergüteklasse IV (stark verunreinigt und biologisch belastet) gemessen. Die Landespolitiker der damaligen Zeit erkannten daher die dringende Notwendigkeit des Gewässerschutzes. Es wurde seitens der Landesregierung angeregt, regionale Abwasserverbände zu gründen. Man erkannte, dass es für die Zukunft keinen Sinn ergibt, dass jede Gemeinde einzeln für sich selbst, eine Abwasserreinigungsanlage errichtet und auch betreibt. Der Zusammenschluss mehrer Gemeinden zu so genannten Abwasserverbänden wurde daher angeregt und auch verwirklicht.

Bereits im Jahr 1974 wurden im Land Salzburg mehrere Abwasserverbände gegründet.

Aufgrund der topografischen Verhältnisse schlossen sich die Gemeinden Kuchl, Golling, Scheffau und St. Koloman zum „Reinhalteverband Tennengau-Süd“ zusammen. Die konstituierende Sitzung des Verbandes fand am 03.September 1974 im Markgemeindeamt Kuchl statt. Die Rechtsgrundlagen des neu gegründeten Abwasserverbandes, bildeten die eigens dafür ausgearbeiteten Satzungen, deren Grundlagen im Wasserrechtsgesetz verankert sind.

Gleich im ersten Jahr der Verbandsgründung wurde mit der Erstellung eines Sanierungsplanes beauftragt. Bereits im Februar 1975 wurde dieser Sanierungsplan zur Genehmigung beim Land eingereicht. Mit Bescheid des Amtes der Salzburger Landesregierung vom 12.09.1975 wurde der Sanierungsplan wasserrechtsbehördlich genehmigt. Es wurde zudem ein Zeitplan zur Verwirklichung der Sanierungsmaßnahmen festgelegt. Demnach sollte mit den Bauarbeiten zur Errichtung der Verbandsanlagen 1977 begonnen werden. In einem Zeitraum von 13 Jahren sollten alle damals vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen verwirklicht und auch abgeschlossen werden.

Die Planungen der gesamten Anlagen im Detail, sowie die Erstellung entsprechender Finanzierungspläne, gestalteten sich schwieriger als ursprünglich erwartet. So konnten erst in den Jahren 1977 und 1978 die wasserrechtlichen Detailgenehmigungen, der einzelnen Ortskanäle ausgesprochen werden. Auch der Aufbau des damals neuen Finanzierungssystems, über die öffentliche Wasserbautenförderung des Bundes und Landes, brauchte seine Zeit.

1979 wurde daher vom Verbandsvorstand der Baubeginn der Kanalbauarbeiten mit Frühjahr 1980 endgültig festgelegt.

Im Juni 1980 begannen dann die Bauarbeiten am VS I im Bereich des derzeitigen Kläranlagenstandortes.

Bei der Bauausführung am VS I traf man gleich  zu Beginn einen massiven Grundwasserkörper an. Nur durch ständiges Pumpen war eine Verlegung des Kanals möglich.

Der Umfang der Bauarbeiten nahm ständig zu, parallel zum Verbandssammler I wurde auch bereits am Ortsnetz Kuchl und am Ortsnetz St. Koloman gebaut. In den Jahren 1982 bis 1984 wurde neben den laufenden Kanalbaustellen in Kuchl und St. Koloman, auch die Verbandskläranlage gebaut. Diese wurde nach zweijähriger Bauzeit am 06.Oktober 1984 feierlich eröffnet. Bis zur Kläranlageneröffnung wurden auch die Verbandssammler soweit fertig gestellt, so dass die Abwässer aus den Ortskernen von Golling und Kuchl zur neu errichteten Kläranlage abgeleitet werden konnten. Die Direkteinleitung in die Salzach war damit gestoppt.

Ab 1985 wurde das Ortsnetz der Gemeinde Golling weiter ausgebaut. Ab 1988 wurde auch am Ortsnetz Scheffau intensiv gebaut. Von 1989 bis 1992 wurde weiters der Verbandssammler IV links der Salzach errichtet. Damit konnten auch die Ortschaften Weißenbach und Gasteig in Kuchl, sowie die Ortschaft Torren in Golling aufgeschlossen werden.

In den neunziger Jahren wurden in allen vier Mitgliedsgemeinden umfangreiche Kanalbauarbeiten durchgeführt. Einen Schwerpunkt bildete ab 1995 aber sicherlich der Ausbau der Ortskanalisation in St. Koloman. Es wurden viele Kilometer Kanal, teilweise im harten Felsen, verlegt.

Im Jahre 1998 stand der erste Ausbau der Verbandskläranlage an den Stand der Technik an. Die ständig laufenden Abwassermaschinen waren abgearbeitet und hatten ihre Nutzungsdauer erreicht.

Der Baubeginn für den Ausbau der Verbandskläranlage war im Frühjahr 1999. In einer zweijährigen Bauzeit wurden umfangreiche Sanierungs- und Neubauarbeiten ausgeführt. Am Betriebsgebäude wurden Erweiterungen vorgenommen. Es wurden neue Sanitär- und Nebenräume errichtet. Das Kläranlagenlabor wurde neu eingerichtet. Ein neues Schlammentwässerungsgebäude samt Schlammlagerhalle wurde gebaut. Auch die Verwaltungsräumlichkeiten wurden ausgeweitet. Im neu errichteten Zwischengebäude wurden neue Büroräume geschaffen, auch ein Sitzungs- und Schulungsraum wurde eingerichtet.

In den Jahren 2001 bis 2003 wurden wieder umfangreiche Kanalbauarbeiten in allen Mitgliedsgemeinden ausgeführt.

Im August des Jahres 2002 sorgte ein Jahrhunderthochwasser für eine angespannte Betriebssituation. Durch den engagierten Einsatz des Kläranlagenpersonals konnten jedoch größere Schäden an den Betriebseinrichtungen gerade noch abgewendet werden.

2004 musste die Verbandskläranlage neuerlich an den Stand der Technik angepasst werden. Ein weiterer Abbau von Inhaltsstoffen im Abwasser, durch die sogenannte Denitrifikation, wurde in der Emissionsverordnung des Bundes gefordert. Seitens der Förderungsstellen des Bundes und des Landes, wurde die Durchführung eines öffentlichen Planungswettbewerbes gefordert. Im öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerbsverfahren wurden 11 Projekte von verschiedenen Ingenieurbüros eingereicht. Die eingereichten Projekte wurden dann von einer Jury begutachtet und gereiht. Das Sieger Projekt sah eine Schlammfaulung mittels energetischer Verwertung des Faulgases durch ein so genanntes Blockheizkraftwerk vor. Zudem ermöglichte dieses Projekt die Führung der gesamten Wasserwege, innerhalb der Kläranlage, im freien Gefälle also ohne gesonderte Pumpwerke.

In weiteren öffentlichen Ausschreibungen wurden die ausführenden Firmen ermittelt und alle Arbeiten wurden an die jeweiligen Best- und Billigstbieter vergeben. In den Jahren 2005 bis 2007 wurden dann die Arbeiten ausgeführt. Im Juli 2007 konnte schließlich die feierliche Eröffnung der komplett überarbeiteten und an den Stand der Technik angepassten Kläranlage stattfinden.

In den Jahren 2004 bis 2009 wurden auch die Kanalnetze des Verbandes und der Mitgliedsgemeinden weiter ausgebaut. Im Jahre 2004 wurde der VS VI von Kuchl Georgenberg nach St. Koloman, Ortsteil Taugl errichtet. Das ON St. Koloman wurde erweitert und dem Sanierungsplan entsprechend fertig ausgebaut. Auch die Ortskanäle der Marktgemeinde Kuchl, sowie der Mitgliedsgemeinde Scheffau wurden nach dem Sanierungsplan erweitert und fertig gestellt.

Im Jahre 2010 konnte schließlich der Endausbau der Verbands- und Ortskanäle nach dem Sanierungsplan erzielt werden. Damit war ein wichtiger Schritt in der Abwasserbeseitigung- und Behandlung erfüllt.

Das Aufgabengebiet des Verbandes ist in den vergangenen 40 Jahren ständig gewachsen und nun mehr sehr umfangreich. Es müssen ca. 200 Kilometer Verbands- und Ortskanäle betrieben und gewartet werden. Auch 16 Pumpstationen brauchen eine regelmäßige Wartung. Die Verbandskläranlage, mit all ihren Anlageteilen und dem kontinuierlich laufenden Biogaskraftwerk muss praktisch rund um die Uhr einen konsensgemäßen Betrieb gewährleisten. Ein unterbrechungsfreier Bereitschaftsdienst ist daher zu organisieren und durchzuführen.

Auch im Bereich der Verwaltung ist das Anforderungsprofil ständig gewachsen. Aufgrund einer Änderung des Wasserrechtsgesetzes ist der Verband auch für die Überwachung und wiederkehrende Überprüfung der Indirekteinleiter zuständig. Zudem verwaltet der Verband auch die Ortskanäle der Mitgliedsgemeinden. Er gibt Stellungnahmen bei allen Bauverfahren ab und sorgt für eine Normgemäße Herstellung aller privaten Hausanschlüsse.

Die öffentlich rechtliche Körperschaft,  RHV“T-S“ hat sich somit in den letzten 40 Jahren zu einer wichtigen Institution im Verbandsgebiet entwickelt hat. Von dieser Institution gehen ständig auch wirtschaftliche Impulse aus,  die auch die heimische Wirtschaft beleben.

Diese Körperschaft garantiert aus ihrem Zweckverständnis heraus also einen dauerhaften Gewässerschutz in den Mitgliedsgemeinden.

Die Reinhaltung unserer Gewässer bildet auch für zukünftige Generationen eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. Die Gründungsväter des Verbandes haben daher vor 40 Jahren sicherlich eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen.

Zusammenfassend kann daher festgestellt werden, dass in den vergangenen 40 Jahren, ein flächendeckendes Entsorgungsnetz in den Mitgliedsgemeinden errichtet wurde. Aus heutiger Sicht wäre es unvorstellbar, wenn es dieses Entsorgungsnetz nicht gäbe. Die guten Wasserqualitäten unserer Quellen, der Oberflächen- und Grundwässer sowie der Bäche und Flüsse sprechen ein deutliches Zeugnis für die Richtigkeit der getroffenen  und ausgeführten Maßnahmen. In den knapp 40 Jahren der Bautätigkeit, wurden insgesamt Investitionen von  52.Mio. € ohne Mwst. getätigt. Allein diese Zahl beweist auch, welcher wirtschaftliche Impuls damit für die gesamte Region verbunden war und ist.

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